Photovoltaikanlagen gelten als zuverlässige und langlebige Energieerzeuger, doch auch sie sind nicht frei von Risiken. In den vergangenen Jahren ist die installierte Leistung auf Dächern von Wohngebäuden, Gewerbehallen und Industrieflächen stark gewachsen, wodurch der Brandschutz im Umfeld der Anlagen zunehmend in den Mittelpunkt rückt. Zwar brennen PV-Anlagen selten, aber wenn ein Feuer entsteht, dann oft im verborgenen Zwischenraum unter den Modulen, wo Fehler schwer erkennbar sind und sich Brandverläufe ungünstig entwickeln können. Für Betreiber, Planer und Versicherer stellt sich deshalb die Frage, welche Faktoren tatsächlich zu einem Brand führen können, wie groß das Risiko in der Praxis ist und welche Maßnahmen einen wirksamen Schutz bieten.
Statistik: Wie häufig brennen PV-Anlagen?
- Einordnung: In der öffentlichen Wahrnehmung wirken PV-Brände größer als sie statistisch sind. Fachbeiträge ordnen das Risiko als niedrig ein und verweisen auf typische Fehlerbilder (Steckverbinder, Verkabelung, Montage).
- Vergleich mit dem allgemeinen Brandgeschehen: In Deutschland zählen Feuerwehren jährlich rund 230.000 Brand-/Explosionseinsätze. Demgegenüber stehen geschätzt 50 – 200 PV-Brandereignisse, das entspricht nur etwa 0,022–0,087 % des Gesamtaufkommens. PV-Ereignisse liegen also anteilig im Promillebereich.
Nicht die Solaranlage an sich ist das Problem, sondern wie oft Fehler passieren und wie gut man sie rechtzeitig bemerkt. Versicherungen schauen deshalb vor allem auf drei Dinge: Wie häufig passiert etwas, wie groß ist der Schaden und wie wahrscheinlich ist es, dass man den Fehler früh erkennt.
Ursachen: Wie kann es zum Brand von Photovoltaikanlagen kommen?
Brände an Photovoltaikanlagen entstehen selten spontan. Meist liegt eine Kombination aus technischen Fehlern, Materialschäden und äußeren Einflüssen vor, die sich im Betrieb gegenseitig verstärken. Die wichtigsten Ursachen lassen sich in mehrere Kategorien einteilen.
1. Elektrische Ursachen
Elektrische Defekte zählen zu den häufigsten Auslösern. Typisch sind Lichtbögen, die durch beschädigte oder gelöste Verbindungen entstehen, sowie Kontaktfehler an DC-Steckverbindern. Auch Übergangswiderstände, lockere Klemmstellen und Isolationsschäden im Alter der Anlage gehören zu den häufig beobachteten Fehlerbildern.
2. Montage- und Installationsfehler
Viele Brände entstehen durch unsachgemäße Kabelverlegung, gequetschte oder frei schwingende Leitungen sowie fehlerhafte Befestigungen an der Unterkonstruktion. Häufig finden sich auch unpassende Steckertypen, falsch dimensionierte Komponenten oder Anschlüsse, die nicht nach Herstellervorgaben ausgeführt wurden.
3. Material- und Bauteilfehler
Minderwertige Komponenten mit schwacher Temperaturbeständigkeit, unzureichender Isolation oder Kunststoffteile, die früh verspröden, erhöhen das Risiko deutlich. Auch der Einsatz brennbarer Dachmaterialien wie Bitumen kann dazu führen, dass sich ein lokales Feuer schneller ausbreitet, wenn ein elektrischer Defekt entsteht.
4. Umwelt- und externe Faktoren
Äußere Einflüsse wie extreme Hitze, Verschattung, Verschmutzung oder mechanische Belastungen begünstigen lokale Überhitzungen. Blitzeinschläge und punktuelle Überspannungen können Bauteile zusätzlich schwächen oder beschädigen.
5. Wechselwirkung mehrerer Ursachen (Kaskadeneffekte)
Viele Schadenabläufe sind Kaskadeneffekte. Ein kleiner Kontaktfehler erhitzt sich über Monate, trifft auf einen wärmeempfindlichen Dachaufbau, erzeugt einen lokalen Hotspot und führt schließlich zu einer Flammenbildung im Modulzwischenraum. Solche Kombinationen gelten als besonders kritisch, da sie lange unbemerkt bleiben.

Infokasten – Normen-Update (Lichtbogendetektion): DIN EN IEC 63027 (VDE 0126-27:2024-03) legt Anforderungen/Prüfungen für DC-Fehlerlichtbogenschutz in PV-Systemen fest (serielle Lichtbögen). Wichtig: Interoperabilität mit WR/Peripherie prüfen; Fehlauslösungen sind möglich, die Aktivierung ist bei Inbetriebnahme zu dokumentieren. (EU-weit keine generelle Einbaupflicht, aber klare Prüf-/Leistungsanforderungen der Norm.)
Einflussfaktoren, die das Brandrisiko verändern
- Anlagengröße & Komplexität: viele Module, Kilometer Kabel, tausende Steckverbindungen führen zu mehr potenzielle Fehlerstellen weshalb eine hochwertige baubegleitende Qualitätssicherung wird wichtiger.
- Dachaufbau: brennbare Dämmstoffe/Dachbahnen erhöhen das Schadenausmaß (Brandweiterleitung „über die Fläche“).
- Alter & Umgebung: UV, Feuchte, Hagel/Sturm führen zur Materialermüdung und können Isolationsfehler hervorrufen.
- Wartung & Überwachung: Regelmäßige, strukturierte Sichtkontrollen, Thermografien und wiederkehrende Prüfungen senken das Risiko, denn Mängel werden früh erkannt und behoben.
Besonderheiten der Brandbekämpfung bei Solaranlagen
Wenn eine Photovoltaikanlage brennt, unterscheidet sich der Einsatzablauf deutlich von herkömmlichen Dachbränden. Der Grund liegt in der elektrischen Energieerzeugung. Module produzieren selbst bei diffusem Tageslicht weiterhin Gleichstrom, wodurch Restspannungen an Leitungen und Modulen bestehen. Für Einsatzkräfte bedeutet das, dass sie mit speziellen Sicherheitsabständen arbeiten müssen und nur bestimmte Löschtechniken zulässig sind. Viele Feuerwehren setzen deshalb auf Sprühstrahl statt Vollstrahl, um das Risiko eines elektrischen Schlages zu minimieren.
„Eine PV-Anlage lässt sich nicht vollständig spannungsfrei schalten. Die Gefahr durch Restspannung bleibt bis zum Abdecken oder Zerstören der Module bestehen.“
Zusätzlich spielt die Dokumentation vor Ort eine große Rolle. Brandfallabschaltungen, klar sichtbare Kennzeichnungen, sowie gut zugängliche Abschaltstellen erleichtern den Einsatzablauf erheblich. Auch vollständige Feuerwehrpläne, die Stringführungen, Wechselrichterstandorte und potenzielle Gefahrenpunkte ausweisen, tragen dazu bei, dass Einsatzkräfte gezielt und schnell handeln können. Für Betreiber und Errichter ergibt sich daraus die Pflicht, solche Informationen aktuell zu halten und regelmäßig zu überprüfen.

Schutzmaßnahmen: So lassen sich Solaranlagenbrände vermeiden
Ein wirkungsvoller Brandschutz setzt deutlich früher an als im laufenden Betrieb, denn viele typische Schadensursachen entstehen bereits bei Planung, Installation oder später durch unzureichende Wartung. Entscheidend ist daher ein Zusammenspiel aus sorgfältiger Projektierung, robusten technischen Schutzmechanismen und einer konsequent gepflegten Anlage.
Planungsmaßnahmen und vorbeugender Schutz
Schon in der Projektierungsphase sollten Risikozonen des Dachs identifiziert werden, damit Leitungswege, Modulfelder und Befestigungen nicht nur technisch stimmig, sondern auch brandschutzgerecht ausgelegt werden können. Die Wahl hochwertiger, geprüfter Komponenten, die zueinander passen und sauber montiert werden können, senkt das Fehlerpotenzial häufig schon bevor die Anlage überhaupt in Betrieb geht.
Anlagentechnische Schutzvorkehrungen
Technische Sicherungen wie Brandfallabschaltungen, Überspannungs- und Blitzschutzmodule oder auch Systeme zur Isolationsüberwachung reduzieren nicht nur das Risiko, sondern sorgen im Störfall dafür, dass Fehler schneller erkannt und abgegrenzt werden können. In vielen Anlagen ergänzt eine Lichtbogendetektion das Monitoring, sodass kritische Muster bereits auffallen, bevor sie sich zu einem Schaden entwickeln.
Bauliche Maßnahmen
Bauliche Rahmenbedingungen sollten so gestaltet sein, dass unnötige Brandlasten und mechanische Risiken möglichst gar nicht erst entstehen. Das umfasst eine brandschutzgerechte Leitungsführung, ausreichend Abstand zu Brandwänden und bevorzugt konstruktive Lösungen mit nicht brennbaren Materialien. Insbesondere auf Flachdächern verhindert eine klare Strukturierung der Leitungswege spätere Beschädigungen.
Wartungs- und Inspektionsmaßnahmen
Regelmäßige Prüfungen helfen dabei, schleichende Veränderungen überhaupt wahrzunehmen. Dazu gehören Sichtkontrollen, thermografische Überprüfungen einzelner Modulbereiche und eine angemessene Reinigung, die wiederum nur dann wirksam sind, wenn sie dokumentiert und bei Auffälligkeiten schnell ergänzt werden. So lassen sich Abnutzungen, Kontaktfehler oder schadhafte Bauteile früh erkennen und rechtzeitig instandsetzen.
Recht & Haftung: Was Errichter und Betreiber wissen sollten
Ein Grundsatzurteil (OLG Oldenburg, 13 U 20/17, bekräftigt durch BGH-Beschluss vom 20.04.2020, VII ZR 233/19) hält fest:
„Eine Dach-PV-Anlage muss so installiert werden, dass eine sichere Trennung zwischen den elektrischen Komponenten als Zündquelle und der Dachoberfläche als Brandlast gewährleistet ist; andernfalls muss die Montage unterbleiben.“
Das Gericht leitete daraus Prüf- und Hinweispflichten von Errichtern ab (u. a. Beurteilung der Dachbrennbarkeit; Leitungsführung nicht direkt auf brennbarer Dachhaut).

Brandschutzgewebe als passiver Schutz
Während elektrische Schutzsysteme Fehler detektieren und abschalten sollen, setzt passiver Brandschutz genau dort an, wo sich Brände tatsächlich ausbreiten: auf dem Dachaufbau selbst. Ein hochwertiges Brandschutzgewebe schafft hier einen physikalischen Puffer, der Flammen im Modulzwischenraum begrenzt und verhindert, dass sich ein lokaler Brand in Bitumen-, EPS- oder anderen brennbaren Dachschichten fortsetzt. Gerade bei Bestandsanlagen, bei denen Dachaufbauten nicht ohne Weiteres ertüchtigt werden können, bietet eine textile Barriere einen unmittelbaren Sicherheitsgewinn, ohne Eingriff in Elektrik, Statik oder die Dachabdichtung.
Ein solches Gewebe ergänzt technische Schutzmaßnahmen wie Lichtbogendetektion oder Brandfallabschaltung, indem es das Restrisiko adressiert: die Brandausbreitung im Worst-Case-Szenario. Da das System rein baulich funktioniert, braucht es weder Strom noch Sensorik und schützt auch dann, wenn ein elektrisches Fehlerbild unbemerkt bleibt. Für Betreiber, Planer und Versicherer entsteht dadurch eine Lösung, die sowohl im Neubau als auch im Retrofit eingesetzt werden kann und besonders auf leicht entflammbaren Bestandsdächern relevant ist.
Vorteile des Brandschutzgewebes:
- Begrenzung der Flammenausbreitung im Modulzwischenraum
- passive, ausfallsichere Schutzwirkung (keine Technik, keine Energieversorgung notwendig)
- schützt Bitumen-, EPS- und weitere brennbare Dachaufbauten
- einfache Nachrüstung ohne Dachdurchdringung
- geringes Gewicht, schnelle Montage
- erleichtert die Argumentation gegenüber Versicherern, da der Dachaufbau aktiv geschützt wird
Damit fügt sich das Brandschutzgewebe als fehlender Baustein zwischen Elektrosicherheit, Montagequalität und Dachschutz ein – besonders dort, wo große Dachflächen, industrielle Nutzung oder wertvolle Gebäudetechnik ein erhöhtes Sicherheitsniveau erfordern.
Zusammenfassung
Photovoltaikanlagen gelten statistisch als zuverlässige Systeme mit geringer Brandwahrscheinlichkeit. Dennoch können elektrische Fehler, Montageprobleme oder äußere Einflüsse im Einzelfall zu Bränden führen, insbesondere im Modulzwischenraum. Daher spielen sorgfältige Planung, fachgerechte Installation, technische Überwachung und regelmäßige Wartung eine entscheidende Rolle. Für Feuerwehr, Versicherer und Betreiber bleibt die zentrale Herausforderung unverändert: die Brandausbreitung frühzeitig zu stoppen und das Schadensausmaß zu begrenzen.
Ein Brandschutzgewebe als passive Barriere schließt die verbleibende Sicherheitslücke, indem es den Dachaufbau bei einem lokalen Brandereignis effektiv schützt, unabhängig von Tageslicht, Strom oder Signaltechnik. Kombiniert mit modernen Schutzmechanismen entsteht so ein robustes Sicherheitskonzept, das sowohl für Neubauten als auch für Bestandsdächer geeignet ist und die Risikobewertung für Betreiber und Versicherer spürbar verbessert.
Häufig gestellte Fragen
Wie groß ist die Brandgefahr einer Photovoltaikanlage?
Die Brandgefahr ist insgesamt gering. PV-Anlagen gehören zu den zuverlässigsten technischen Systemen am Gebäude. Brände entstehen meist nicht am Modul selbst, sondern durch Fehler an Steckverbindern, Kabeln oder Anschlüssen. Fachgerechte Installation und regelmäßige Sichtkontrollen senken das Risiko deutlich.
Wie häufig brennen PV-Anlagen statistisch?
Sehr selten. In Deutschland zählen Feuerwehren jährlich rund 230.000 Brand- und Explosionseinsätze, davon entfallen nur geschätzt 50–200 auf PV-Anlagen – also etwa 0,02–0,08 %. Die meisten Ereignisse enden als Klein- oder Entstehungsbrände, nicht als Großschäden.
Was sind die häufigsten Ursachen für den Brand einer Photovoltaikanlage?
Typische Auslöser sind elektrische Kontaktfehler, lose oder falsch montierte Steckverbinder, beschädigte Kabel, Lichtbögen sowie Montagefehler. Materialalterung und äußere Einflüsse (z. B. Hitze, Verschmutzung oder Tiere) können die Fehler verschärfen. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen.
Wie lassen sich Brandrisiken einer PV-Anlage effektiv senken?
Brandrisiken sinken vor allem durch fachgerechte Planung und Installation, den Einsatz hochwertiger Komponenten, funktionierende Überspannungs- und Lichtbogendetektion sowie regelmäßige Wartungs- und Sichtkontrollen, etwa per Thermografie. Zusätzlich helfen bauliche Maßnahmen wie ein passives Brandschutzgewebe auf brennbaren Dachaufbauten, weil es im Ernstfall die Flammenausbreitung wirksam begrenzt.


