Photovoltaikanlagen gehören heute zu den wichtigsten Bausteinen moderner Energieversorgung, gleichzeitig stellen sie neue Anforderungen an den vorbeugenden Brandschutz. Denn zwischen elektrischen Komponenten, Dachaufbauten und ungünstigen Einbausituationen entstehen Risiken, die sich oft erst im Schadensfall bemerkbar machen. Ein wirksamer Brandschutz beginnt daher nicht erst beim Feuer, sondern bereits bei Planung, Installation und der strukturellen Absicherung des Daches. Dieser Beitrag zeigt, worauf es wirklich ankommt und welche Maßnahmen Betreiber, Installateure und Unternehmen kennen sollten, um PV-Anlagen sicher zu betreiben.
Kurzüberblick:
Photovoltaikanlagen sind sehr sicher. Studien von TÜV Rheinland/Fraunhofer zeigen nur ca. 0,006 % Brände mit nennenswertem Schaden. Risiken entstehen meist durch Kontaktfehler/Lichtbögen, brennbare Dachaufbauten und Wartungsmängel. Gute Nachrichten: Mit normgerechter Planung, Abschaltung, Überspannungsschutz/Blitzschutz, sauberer Leitungsführung/Abschottung und bei brennbaren Dächern, passivem Schutz (z. B. Brandschutzgewebe) lässt sich das Risiko sehr weit senken.
Warum PV-Brandschutz speziell ist
PV-Generatoren erzeugen bei Tageslicht ständig DC-Spannung, selbst wenn AC-seitig abgeschaltet wurde. Deshalb können Leitungen auch im Brandfall noch Spannung führen, was Lösch- und Rettungsarbeiten erschwert und besondere Maßnahmen erfordert (Kennzeichnung, Abschaltmöglichkeiten, Leitungsführung).
Zusätzlich trifft die Technik oft auf brennbare Dachaufbauten (Bitumen, EPS). Auf Flachdächern entsteht unter Modulen ein „Kamineffekt“; kleine Defekte können so schneller eskalieren, wenn keine Trennlagen oder Abschottungen vorhanden sind. Versicherer haben das Thema daher mit VdS 6023 gezielt adressiert.

Grundlagen des Brandschutzes bei Photovoltaikanlagen
Der Brandschutz bei Photovoltaikanlagen umfasst drei zentrale Bereiche: den vorbeugenden Brandschutz, der technische und planerische Maßnahmen einschließt, den anlagentechnischen Brandschutz, der auf Schutzvorrichtungen wie Abschaltungen oder Überwachungen abzielt, sowie den organisatorischen Brandschutz, zu dem klare Zuständigkeiten, Dokumentation und regelmäßige Wartungsabläufe gehören. Diese Ebenen wirken idealerweise zusammen, um Fehler frühzeitig zu erkennen und eine mögliche Eskalation zu verhindern.
Besondere Anforderungen ergeben sich durch die Systemarchitektur von PV-Anlagen. Da Module auch bei diffusem Tageslicht dauerhaft Gleichspannung erzeugen, können Leitungen selbst im Störfall oder bei abgeschalteter AC-Seite unter Spannung stehen. In Kombination mit Flachdachsystemen, bei denen im Modulzwischenraum ein ausgeprägter Warmluftstrom entsteht, und mit häufig vorhandenen brennbaren Dachaufbauten wird deutlich, warum PV-Anlagen trotz insgesamt niedriger Brandhäufigkeit spezifische Schutzkonzepte benötigen, insbesondere dann, wenn ältere Bestandsdächer nachgerüstet werden.
Zahlen aus Untersuchungen von TÜV Rheinland und Fraunhofer ordnen das Risiko weiterhin als gering ein; Studien sprechen von rund 0,006 Prozent PV-Anlagen, die einen Brand mit nennenswertem Schaden verursachen. Das bedeutet: Die meisten Anlagen funktionieren über Jahre problemlos, das Risiko ist jedoch nicht vernachlässigbar, weil bereits kleine Kontaktfehler oder Materialschäden in ungünstigen Einbausituationen eine deutliche Schadensdynamik entwickeln können.
Das Ziel aller Maßnahmen im PV-Brandschutz ist daher klar: Das Risiko ist niedrig, aber relevant und mit der richtigen Kombination aus Planung, Überwachung und baulichem Schutz lässt es sich zuverlässig kontrollieren.
Häufige Brandursachen und Risiken von PV-Anlagen
- Elektrische Kontaktprobleme & Lichtbögen: Lose Klemmen, gequetschte oder inkompatible Steckverbinder erzeugen Übergangswiderstände. Daraus können Lichtbögen entstehen, die eine der Hauptursachen darstellen.
- Brennbare Dachkonstruktionen: Bitumenbahnen oder Polystyrol-Dämmungen erhöhen die Brandlast. Besonders, wenn Kabel direkt aufliegen oder Durchführungen ungeschützt sind.
- Fehler bei Installation & Wartung: Ein erheblicher Teil der Fälle geht auf handwerkliche Mängel und fehlende Inspektionen zurück: gelockerte Verbindungen, defekte Isolierungen, fehlender Überspannungsschutz, nicht dokumentierte Änderungen. Regelmäßige Prüfungen und Monitoring senken das Risiko.
- Bauliche Ursachen: Neben der Dachkonstruktion selbst spielen bauliche Details wie Leitungswege, Kabelabstände, Unterkonstruktionen und die Art der Durchdringungen eine große Rolle. Enge Kabeltrassen, fehlende Abschottungen, unzureichende Fixierungen oder direkte Auflage auf brennbaren Materialien können verhindern, dass ein lokaler Fehler begrenzt bleibt. In Kombination mit Hitzeeinwirkung oder mechanischer Belastung steigt das Risiko einer schnellen Brandweiterleitung deutlich.

Gesetzliche Vorschriften und Normen
Der Brandschutz von Photovoltaikanlagen wird durch mehrere technische Regelwerke definiert und durch bauordnungsrechtliche Vorgaben ergänzt. Für Planung und Betrieb gelten vor allem elektrotechnische Normen sowie spezielle Empfehlungen für brennbare Dachaufbauten.
Für Planung, Errichtung und Betrieb gelten u. a.:
- DIN VDE 0100-712 (Errichten von Niederspannungsanlagen – PV). Schutz gegen elektrischen Schlag/thermische Einflüsse, doppelte/verstärkte Isolierung, Vermeidung von Überlast/Kurzschluss.
- VDE-AR-E 2100-712 (Maßnahmen im DC-Bereich für Brandbekämpfung/THL). Anordnung von Schalt-/Trenn-/Kurzschluss-Einrichtungen, Kennzeichnung und Übersichtsplänen für Einsatzkräfte.
- VdS 6023 (02/2023): Zusatzempfehlungen für brennbare Dächer (z. B. zusätzliche Trennlagen, Materialwahl, organisatorische Maßnahmen).
Diese technischen Anforderungen werden durch Landesbauordnungen und kommunale Vorgaben ergänzt, etwa zu Abständen, Leitungsführung oder brandschutztechnischen Trennungen. Die konkreten Anforderungen unterscheiden sich je nach Bundesland, daher sollten projektbezogen immer die lokalen Merkblätter und behördlichen Auflagen geprüft werden. Auch Versicherer stellen zunehmend eigene Anforderungen, insbesondere bei Flachdächern mit brennbaren Materialien. Häufig fließen hier VdS-Empfehlungen oder interne Risikobewertungen ein.
Insgesamt gilt: Betreiber und Installateure müssen eine regelwerkskonforme Planung, die Dokumentation wesentlicher Prüfungen und eine eindeutige Kennzeichnung der PV-Anlage sicherstellen. Die Nachweise bilden die Grundlage für Abnahmen, Versicherungsbewertungen und spätere Wartung.
Brandschutzmaßnahmen für Photovoltaikanlagen
Bauliche Brandschutzmaßnahmen
Bauliche Maßnahmen bilden die Grundlage eines sicheren PV-Systems, weil sie festlegen, wie Kabel, Materialien und Durchdringungen im Gebäudeumfeld miteinander interagieren. Entscheidend ist eine brandschutzgerechte Leitungsführung, etwa durch Brandwände, geprüfte Kabelkanäle oder feuerbeständige Durchführungen, damit sich ein lokaler Fehler nicht ungehindert ausbreiten kann. Ebenso wichtig sind ausreichende Abstände zu brennbaren Baustoffen sowie die konsequente Trennung von PV-Leitungen und empfindlichen Dachmaterialien. In der Praxis wird zunehmend auf nicht brennbare Dämmstoffe gesetzt oder, wenn das nicht möglich ist, auf nachrüstbare passive Systeme wie Brandschutzgewebe, die Flammenausbreitung unter den Modulen wirksam begrenzen.
Anlagentechnische Maßnahmen
Technische Schutzsysteme greifen dann, wenn trotz guter Planung ein Fehler entsteht. Dazu gehören Brandfallabschaltungen wie Feuerwehrschalter oder DC-Trenneinrichtungen, die Leitungen im Brandfall schnell spannungsfrei schalten sollen. Ergänzend übernehmen moderne Lichtbogendetektoren, Überspannungsschutzeinrichtungen sowie Erdungs- und Segmentierungskonzepte Aufgaben der Früherkennung. Monitoringlösungen, von Sensorik bis Smart-Meter-gestützten Systemen, erkennen Isolationsfehler oder untypische Stromverläufe, bevor sie kritisch werden, und erhöhen damit die Betriebssicherheit deutlich.
Organisation & Dokumentation
Organisatorische Maßnahmen stellen sicher, dass Anlagen jederzeit nachvollziehbar, wartbar und im Ernstfall korrekt zu bedienen sind. Dazu gehört eine klare Kennzeichnung am Einspeisepunkt („Achtung PV“) sowie ein Übersichtsplan nach VDE-AR-E 2100-712, der Einsatzkräften im Brandfall Orientierung bietet. Ebenso wichtig sind vollständige Abnahmeprotokolle, Messberichte, Fotodokumentationen und ein definierter Wartungsplan, damit die Verantwortung zwischen Betreiber und Installateur eindeutig geregelt ist und alle sicherheitsrelevanten Nachweise verfügbar bleiben.

Brandschutzgewebe als moderner passiver Brandschutz
Moderne PV-Anlagen benötigen nicht nur anlagentechnische und organisatorische Maßnahmen, sondern zunehmend passive Systeme, die die Brandausbreitung im Ernstfall unterbinden. Genau hier setzt das oberseitig verlegte Brandschutzgewebe an. Es bildet eine geschlossene Schutzschicht oberhalb der Dachhaut und verhindert, dass sich entstehende Hitze oder Flammen über das Dach weiter ausbreiten. Besonders auf brennbaren Bestandsdächern wie EPS-, PIR- oder Bitumendächern reduziert dies das Eskalationsrisiko erheblich.
Brandschutzgewebe ist eine leichte, nicht brennbare Schutzlage, die oberhalb der Dachhaut unter der PV-Unterkonstruktion verlegt wird. Im Ereignisfall wirkt es als feuerfeste Barriere und verhindert das Übergreifen von Entstehungsbränden auf Bitumen/EPS. Vorteile: geringes Gewicht, schnelle Nachrüstung, keine Dachöffnung und genau für diese Fälle empfiehlt VdS 6023 zusätzliche passive Schutzmaßnahmen.
Das von uns angebotene Brandschutzgewebe PYROFAB® SOL besteht aus hochtemperaturbeständigen, nicht brennbaren technischen Fasern und ist für den dauerhaften Einsatz auf Flachdächern konzipiert. Das System kommt ohne Eingriffe in die Dachabdichtung aus, ein wesentlicher Vorteil gegenüber schweren Platten- oder Beschichtungslösungen. Dank seiner Rollenware lässt es sich schnell, abschnittsweise und ohne Betriebsunterbrechung verlegen. Für Solarteure und Dachdecker reduziert dies den Aufwand erheblich, insbesondere bei laufendem Betrieb.
Vorteile eines modernen Brandschutzgewebes (z. B. PYROFAB® SOL):
- A-Klasse geprüft (nicht brennbar) – mit europäischem Patent und 20 Jahren UV-Beständigkeit.
- Geringe Zusatzlast – ideal bei knapper Dachstatik.
- Nachrüstung ohne Abriss – keine Öffnung der Dachhaut, keine Sanierungsarbeiten.
- Hohe Wirtschaftlichkeit – ca. 20 €/m² inkl. Material und Montage.
- Schnelle und einfache Verlegung – als Rollenware, verarbeitbar durch Solarteure oder Dachdecker.
- Versicherer-konform – erfüllt die Anforderungen großer Versicherer und Sachverständiger.
- Praxisbewährt – im Großmaßstab eingesetzt, u. a. in Industrie-, Logistik- und Handelsprojekten.
Fazit: Wie lassen sich Brände von PV-Anlagen verhindern?
PV-Anlagen gelten grundsätzlich als sehr sicher, dennoch entstehen Brände immer wieder durch elektrische Kontaktprobleme, brennbare Dachaufbauten oder handwerkliche Mängel. Durch eine Kombination aus baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich senken, von sauberer Leitungsführung über Abschaltmöglichkeiten und Überspannungsschutz bis hin zu klarer Dokumentation.
Besonders auf Flachdächern mit brennbarer Abdichtung gewinnt der passive Brandschutz an Bedeutung. Hier bietet ein oberseitig verlegtes Brandschutzgewebe wie PYROFAB® SOL eine schlanke, kosteneffiziente und nachweislich wirksame Lösung, die ohne Abriss oder statische Verstärkungen auskommt. In Summe entsteht ein ganzheitliches Konzept, das Betreiber, Versicherer und Sachverständige überzeugt und die sichere Nutzung von Photovoltaik auch auf sensiblen Dachflächen ermöglicht.
Häufig gestellte Fragen
Wie wahrscheinlich ist ein Brand durch eine PV-Anlage?
Sehr niedrig: In der zitierten Langzeit-Auswertung lag die Quote bei etwa 0,006 % Bränden mit relevantem Schaden – vergleichbar mit üblichen Elektroinstallationen.
Was sind die wichtigsten Maßnahmen?
Normgerechte Planung (DIN VDE 0100-712), saubere Leitungsführung und Abschottung, Feuerwehrschalter bzw. schnelle DC-Trennung, AFCI nach IEC 63027, SPD/Blitzschutz, Dokumentation und Wartung. Bei brennbaren Dächern zusätzlich passive Trennlagen wie Brandschutzgewebe.
Was tun, wenn die PV-Anlage brennt?
Menschen in Sicherheit bringen, 112 rufen, falls gefahrlos erreichbar: AC ausschalten und Feuerwehr-Abschaltung betätigen. Einsatzkräften Kennzeichnung und Übersichtsplan zeigen. Keine riskanten Eigenlöschversuche.
Welche Rolle spielen Normen und Versicherer?
Neben den VDE-Normen empfehlen Versicherer gemäß VdS 6023 zusätzliche Maßnahmen für Dächer mit brennbaren Baustoffen. Saubere Dokumentation und regelmäßige Wartung sind entscheidend für die Schadenregulierung. Der Versicherer sollte zudem frühzeitig vor dem Bau der PV-Anlage eingebunden werden.


